Ein Stück Metall, Emaille und Edelsteine – nicht größer als eine Faust. Und doch wurde es im Dezember 2025 in London für 26 Millionen Euro versteigert. Das Winter-Ei von Peter Carl Fabergé, 1913 vom letzten russischen Zaren für seine Mutter in Auftrag gegeben, hat gerade den Weltrekord für das teuerste jemals versteigerte Fabergé-Ei gebrochen — und damit die bisherige Bestmarke um mehr als 15 Millionen Euro übertroffen.
Wer sind die Menschen, die solche Summen für ein Osterei zahlen? Was steckt in diesen Objekten, das Bieter im Auktionssaal außer sich geraten lässt? Und was ist mit den sieben Eiern, die seit der Russischen Revolution 1917 verschollen sind und von denen Experten sagen, dass ein einzelnes davon leicht 30 Millionen Dollar oder mehr wert wäre?
Die Geschichte der Fabergé-Eier ist eine Geschichte von zarischer Dekadenz, bolschewistischem Bildersturm, amerikanischer Gier, russischem Nationalstolz — und einem Schrotthändler aus dem Mittleren Westen, der fast ein 30-Millionen-Dollar-Ei eingeschmolzen hätte.
Was ist ein Fabergé-Ei? Die Kurzversion
Peter Carl Fabergé war der Hofjuwelier der russischen Zarenfamilie. 1885 beauftragte Zar Alexander III. ihn mit einem besonderen Ostergeschenk für seine Frau Maria Fjodorowna, die dänische Prinzessin, die unter Heimweh und schwerer Melancholie litt. Das Ergebnis war das sogenannte Hennen-Ei: außen weiße Emaille, innen ein goldenes Dotter, darin eine goldene Henne, in der wiederum eine winzige Nachbildung der Zarinkrone steckte. Alles handgefertigt, alles opulent, alles mit einer Überraschung im Inneren.
Die Zarin war entzückt. Alexander erklärte Fabergé daraufhin zum kaiserlichen Hofjuwelier und bestellte fortan jedes Jahr zu Ostern ein neues Ei. Sein Sohn Nikolaus II. führte die Tradition fort — und steigerte die Bestellung auf zwei Eier pro Jahr: eines für seine Mutter, eines für seine Frau Alexandra.
Zwischen 1885 und 1917 entstanden so 52 kaiserliche Eier. Dazu kommen etwa 15 weitere, die Fabergé für wohlhabende Privatpersonen fertigte — darunter die Familie Rothschild, den Industriellen Alexander Kelch und den Ölmagnaten Emanuel Nobel. Jedes Ei ist ein Unikat. Jedes enthält eine Überraschung. Und jedes ist heute unbezahlbar — im wörtlichen wie übertragenen Sinne.
Die teuersten Fabergé-Eier der Welt: Alle Auktionsrekorde
Platz 1: Das Winter-Ei — 26 Millionen Euro (2025, neuer Weltrekord)

Gefertigt: 1913
Auftraggeber: Zar Nikolaus II. für seine Mutter Maria Fjodorowna
Versteigert: 2. Dezember 2025, Christie’s London, für 22,9 Millionen Pfund (~26 Millionen Euro)
Das Winter-Ei ist das teuerste Fabergé-Ei, das je versteigert wurde — und das gleich drei Mal in Folge. 1994 erzielte es 7,3 Millionen Schweizer Franken bei Christie’s. 2002 brach es seinen eigenen Rekord bei 9,6 Millionen US-Dollar. Und im Dezember 2025 wurde es erneut bei Christie’s London unter den Hammer gebracht — diesmal für 22,9 Millionen Pfund inklusive Aufgeld, was rund 26 Millionen Euro entspricht. Der bisherige Rekordhalter, das Rothschild-Ei, wurde damit um mehr als 15 Millionen Euro übertroffen.
Was macht dieses Ei so besonders? Äußerlich ist es aus mattem Bergkristall gefertigt, in den ein Muster aus Eiskristallen graviert wurde — eine Hommage an einen besonders strengen russischen Winter. Bedeckt mit über 1.300 Rosendiamanten und 360 Brillanten. Im Inneren: ein handgefertigter Blumenkorb aus Platin und Diamanten, dessen Blüten aus weißem Quarz geschnitten sind, Staubbeutel aus Gold, Blätter aus Nephrit. Nikolaus II. hatte damals 24.600 Rubel dafür bezahlt — den höchsten Preis, der je für ein kaiserliches Ei während der Zarenzeit entrichtet wurde.
Nach der Russischen Revolution gelangte das Ei in den Kreml-Tresor, wurde in den 1920er-Jahren für Deviseneinnahmen verkauft und wechselte in den folgenden Jahrzehnten mehrmals den Besitzer. Der Londoner Antiquitätenhändler, der das Ei ursprünglich für umgerechnet rund 500 Euro kaufte, kann sich wohl nicht vorstellen, was sein Nachfolger 2025 dafür bezahlte.
Platz 2: Das Dritte Kaiserliche Ei — bis zu 33 Millionen Dollar (Schätzwert, 2014)
Gefertigt: 1887
Auftraggeber: Zar Alexander III. für Maria Fjodorowna
Verkauft: 2014 über den Londoner Händler Wartski, zu unbekanntem Preis; Schätzwert: 20–33 Millionen Dollar
Dies ist die Geschichte, die Fabergé-Sammler bis heute in Atem hält. Das Dritte Kaiserliche Ei — eines der frühesten, das Fabergé je fertigte — galt seit 1922 als verschollen. Niemand wusste, wo es war. Bis 2014 ein Schrotthändler aus dem amerikanischen Mittleren Westen auf einem Antikmarkt eine seltsame, goldene Tischuhr für etwa 10.000 Dollar kaufte. Er glaubte, sie mit Gewinn weiterverkaufen oder einschmelzen zu können.
Als sich kein Käufer fand, begann er im Internet zu recherchieren. Er gab die Worte „Ei“ und „Vacheron Constantin“ ein — den Hersteller des Uhrwerks im Inneren. Was er fand, verschlug ihm vermutlich die Sprache: Der Londoner Fabergé-Experte Kieran McCarthy bestätigte, dass es sich um das seit fast einem Jahrhundert verschollene Dritte Kaiserliche Ei handelte. Geschätzter Wert: bis zu 33 Millionen Dollar.
Das Ei befindet sich heute Berichten zufolge im Besitz des Victoria & Albert Museum in London, das es 2021 erwarb. Der genaue Kaufpreis wurde nie bekannt gegeben.
Platz 3: Das Rothschild-Ei — 12,5 Millionen Euro (2007)

Gefertigt: 1902
Auftraggeber: Béatrice Ephrussi de Rothschild als Verlobungsgeschenk
Versteigert: 28. November 2007, Christie’s London, für 8,9 Millionen Pfund (~12,5 Millionen Euro)
Das Rothschild-Ei ist kein kaiserliches Ei — es wurde für eine der mächtigsten Bankiersfamilien Europas gefertigt, nicht für den Zaren. Das macht es zu einer Rarität unter den Raritäten. In Auftrag gegeben von Béatrice Ephrussi de Rothschild als Verlobungsgeschenk für die Braut ihres jüngeren Bruders Édouard, ist es ein 27 cm hohes, rosafarbenes Wunderwerk mit integrierter Uhr: Jede volle Stunde öffnet sich das Ei, ein diamantbesetzter Hahn springt heraus, schlägt die Flügel viermal, nickt dreimal den Kopf und kräht — für exakt 15 Sekunden.
105 Jahre lang blieb das Ei im Besitz der Familie Rothschild. 2007 wurde es bei Christie’s in London versteigert und erzielte 8,9 Millionen Pfund — damals ein Weltrekord. Käufer war Alexander Iwanow, der Direktor des Russischen Nationalmuseums. 2014 übergab Iwanow das Ei durch Vermittlung von Wladimir Putin an die Eremitage in Sankt Petersburg, wo es seither in Saal 302 ausgestellt ist.
Platz 4: Das Krönungs-Ei — Schätzwert 24 Millionen Dollar (nie versteigert)
Gefertigt: 1897
Auftraggeber: Zar Nikolaus II. für Zarina Alexandra
Besitzer: Sammlung Wekselbserg / Fabergé-Museum
Das Krönungs-Ei ist nicht das teuerste versteigerte, aber das wertvollste im öffentlichen Besitz. Sotheby’s taxierte es 2004 auf 24 Millionen Dollar. Es wurde 1897 gefertigt, im Jahr der Krönung Nikolaus‘ II., und enthält als Überraschung eine bis ins kleinste Detail handgefertigte Miniaturkutsche — die originalgetreue Nachbildung der Goldkutsche, mit der das Zarenpaar nach der Krönung durch Moskau fuhr. Die Kutsche ist 9,3 Zentimeter lang, die Fenster aus echtem Bergkristall, die Federung aus Platin, die Karosserie in gelbem Emaille mit dem Doppelkopfadler der Romanows.
2004 kaufte der russische Oligarch Viktor Wekselbserg das Ei — zusammen mit acht weiteren — direkt von der Forbes-Sammlung, bevor sie zur Auktion kamen. Er soll insgesamt rund 100 Millionen Dollar für die neun Stücke bezahlt haben. Heute ist die Sammlung im Fabergé-Museum in Sankt Petersburg zu sehen.
Auktionsrekorde auf einen Blick
| Ei | Jahr | Auktion | Preis |
|---|---|---|---|
| Winter-Ei | 2025 | Christie’s London | 26 Mio. Euro (~22,9 Mio. £) |
| Winter-Ei | 2002 | Christie’s New York | 9,6 Mio. Dollar |
| Rothschild-Ei | 2007 | Christie’s London | 12,5 Mio. Euro (8,9 Mio. £) |
| Drittes Kaiserliches Ei | 2014 | Privatverkauf (Wartski) | ~20–33 Mio. Dollar (geschätzt) |
| Krönungs-Ei | 2004 | Forbes-Verkauf (privat) | Teil von 100 Mio. $ für 9 Eier |
| Winter-Ei | 1994 | Christie’s | 7,3 Mio. CHF |
Die 7 verschollenen Eier: Das größte Mysterium der Kunstwelt
Von den 52 kaiserlichen Eiern sind heute sieben Stück verschollen. Niemand weiß, wo sie sind. Von zweien existieren historische Fotografien. Von fünfen wissen wir nur aus Inventarlisten und Rechnungen, dass sie existiert haben müssen.
Was wären sie wert? Schätzungen gehen von 20 bis 50 Millionen Dollar pro Ei aus — abhängig von Zustand, Überraschung und Provenienz. Das Dritte Kaiserliche Ei, das 2014 in einem Schrottlager auftauchte, hat bewiesen, dass ein verschollenes Fabergé-Ei im 21. Jahrhundert noch irgendwo auf der Welt schlummern kann.
Die sieben verschollenen Eier nach aktuellem Kenntnisstand:
Genoueser Ei (1892): Das letzte Mal in einer russischen Inventarliste von 1917 erwähnt. Seitdem keine Spur.
Königlich Dänisches Ei (1903): Für die Zarenmutter zum 40. Thronjubiläum ihres Vaters. Von ihm existiert eine Fotografie — das Ei selbst ist seit der Revolution verschwunden.
Alexander III.-Gedenk-Ei (1909): Ebenfalls fotografisch dokumentiert, aber seit Jahrzehnten unauffindbar.
Netz-Ei mit Ei-Anhängern (1888): Ein frühes kaiserliches Ei, über das jenseits eines Inventareintrags nichts bekannt ist.
Wer eines findet, ist Multimillionär. Nicht theoretisch — sondern sofort, am Tag des Fundes.
Warum sind Fabergé-Eier so teuer? Die fünf Gründe
1. Absolute Seltenheit
Von 52 kaiserlichen Eiern befinden sich viele dauerhaft in Museen und Staatseigentum. Nur eine Handvoll ist überhaupt jemals zum Verkauf gestanden. Wenn ein kaiserliches Ei auf den Markt kommt, kann das einmal in einer Generation passieren.
2. Handwerkszeit
Jedes Ei benötigte ein ganzes Jahr Arbeit — mehrere Spezialisten, unzählige Stunden. Goldschmiede, Emailleure, Steinschneider, Uhrmacher und Miniaturmaler arbeiteten gemeinsam an einem einzigen Objekt. Diese Qualität gibt es nicht mehr.
3. Historische Dimension
Die Fabergé-Eier sind nicht nur Schmuck — sie sind materielle Geschichte. Das Winter-Ei war das letzte kaiserliche Ei, das Nikolaus II. bei Fabergé in Auftrag gab, bevor die Revolution vier Jahre später alles vernichtete. Wer es kauft, kauft einen Abschnitt der Weltgeschichte.
4. Nationalstolz als Preistreiber
Russische Oligarchen und staatliche Institutionen zahlen für Fabergé-Eier nicht nur wegen ihrer ästhetischen Qualität, sondern weil sie zarisches Kulturerbe zurück nach Russland bringen wollen. Viktor Wekselbserg zahlte 100 Millionen Dollar für neun Eier — weil er nicht wollte, dass sie weiter im Westen bleiben. Das treibt Auktionspreise in Dimensionen, die rein ästhetische Bewertungen weit übersteigen.
5. Die Überraschung im Innern
Kein anderes Kunstobjekt auf der Welt hat dieses Prinzip: Die eigentliche Kostbarkeit ist verborgen. Jedes Ei ist ein Rätsel, das sich öffnen lässt. Diese spielerische Dimension — plus die Tatsache, dass jede Überraschung ein eigenständiges Kunstwerk für sich ist — macht Fabergé-Eier zu etwas kategorial Einzigartigem.
Wo kann man Fabergé-Eier sehen?
Wer keine 26 Millionen Euro übrig hat, aber trotzdem ein Original sehen möchte — diese Museen zeigen Fabergé-Eier in ihren Sammlungen:
Eremitage, Sankt Petersburg: Enthält das Rothschild-Ei (seit 2014) und mehrere weitere Exemplare. Das bedeutendste Museum für Fabergé-Objekte weltweit.
Fabergé-Museum, Sankt Petersburg: Die Privatsammlung Wekselbserg mit neun kaiserlichen Eiern, darunter das Krönungs-Ei. 2013 für die Öffentlichkeit geöffnet.
Kreml-Armeria, Moskau: Beherbergt zehn kaiserliche Eier — die größte einzelne Sammlung.
Victoria & Albert Museum, London: Besitzt Berichten zufolge seit 2021 das Dritte Kaiserliche Ei, das 2014 nach 92-jähriger Verschollenheit wiederentdeckt wurde.
Virginia Museum of Fine Arts, Richmond (USA): Mit fünf kaiserlichen Eiern die bedeutendste Fabergé-Sammlung außerhalb Russlands.
FAQ: Das teuerste Fabergé-Ei der Welt
Das teuerste jemals versteigerte Fabergé-Ei ist das Winter-Ei von 1913, das im Dezember 2025 bei Christie’s in London für rund 26 Millionen Euro (22,9 Millionen Pfund) verkauft wurde. Damit hat es den bisherigen Rekord des Rothschild-Eis von 2007 weit übertroffen.
Kaiserliche Fabergé-Eier werden bei Auktionen für 10 bis 26 Millionen Euro gehandelt. Eier für Privatpersonen (nicht-kaiserlich) sind seltener auf dem Markt, erzielen aber ähnliche Summen. Das Dritte Kaiserliche Ei, das 2014 nach jahrzehntelanger Verschollenheit wiederauftauchte, wird auf 20 bis 33 Millionen Dollar geschätzt. Moderne Fabergé-Objekte (nach 1920 hergestellt) kosten je nach Seltenheit zwischen einigen hundert und einigen Millionen Euro.
Insgesamt entstanden zwischen 1885 und 1917 rund 52 kaiserliche Eier plus etwa 15 weitere für wohlhabende Privatpersonen. Sieben der kaiserlichen Eier gelten als verschollen. Die meisten bekannten Exemplare befinden sich in Museen und staatlichen Sammlungen — nur wenige sind in Privatbesitz.
Die extreme Seltenheit (nur 52 kaiserliche Exemplare, viele in Museen), die handwerkliche Einzigartigkeit (bis zu einem Jahr Herstellungszeit pro Ei), die historische Bedeutung als materielles Zarenzeit-Erbe und die Nachfrage reicher russischer Sammler und Institutionen treiben die Preise in astronomische Höhen.
Die Marke „Fabergé“ existiert heute unter neuem Eigentümer und produziert Schmuck und Objekte in der Tradition des Originals — allerdings sind diese modernen Stücke nicht mit den historischen kaiserlichen Eiern zu vergleichen und erzielen entsprechend andere Preise.
Kaiserliche Fabergé-Eier tauchen extrem selten auf dem Markt auf — wenn, dann bei Christie’s oder Sotheby’s. Nicht-kaiserliche Fabergé-Objekte (Zigarettenetuis, Tischuhrchen, Miniatur-Eier) werden regelmäßig bei großen Auktionshäusern und Kunsthändlern angeboten, teils ab wenigen tausend Euro.
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Zuletzt aktualisiert: Dezember 2025












