Das Glück der Erde liegt sprichwörtlich auf dem Rücken der Pferde. Spaß macht es Ross und Reiter aber nur, wenn nichts drückt, zwickt, schnürt oder scheuert. Mit anderen Worten: Der Sattel muss sitzen. Je hochwertiger die Reitunterlage, desto besser. Pferdeliebhaber mit dem nötigen Kleingeld können sich heute weiterhin einen handgefertigten Hermès-Sattel gönnen – und zwar nicht nur als nostalgisches Prestige-Accessoire, sondern als maßgefertigtes Sportgerät einer Luxusmarke, die 2026 sehr bewusst zu ihren Sattler-Wurzeln steht.
Gerade das macht Hermès aktuell wieder besonders spannend: Während die Öffentlichkeit bei der Marke meist an Birkin, Kelly, Seidentücher und absurde Auktionspreise denkt, pflegt die Maison ihre Reitsportlinie weiter mit sichtbarem Ernst. Aktuell stehen bei Hermès vier Sportsättel im Mittelpunkt: Faubourg, Cavale II, Vivace und Arpège. Preislich bewegen sie sich zwischen 7.500 und 8.500 Euro. Dazu kommt Zubehör für Pferd und Reiter, bei dem aus einem eleganten Ausritt sehr schnell ein richtig teures Luxusprojekt wird.
Hermès ist Experte für „Hand Candy“ de luxe
Hermès – da denken viele zunächst an sündhaft teure Taschen wie die Kelly Bag. Die wurde nach der monegassischen Fürstin Gracia Patricia benannt, die sie 1956 adelte und bis heute zum begehrten „Hand Candy“ machte. Inzwischen ist selbst diese Geschichte fast schon bescheiden, wenn man auf die Auktionswelt schaut.
Noch stärker steht die Birkin Bag für den Hermès-Mythos. Spätestens seit Jane Birkins originale Birkin im Jahr 2025 für 8,6 Millionen Euro beziehungsweise rund 10,1 Millionen Dollar versteigert wurde, ist klar: Bei Hermès kann Leder nicht nur schön, sondern auch absurd wertvoll sein. Der Witz an der Sache: Der Ursprung dieser ganzen Luxus-Faszination liegt nicht in der Handtasche, sondern im Sattel. Hermès ist eben kein Modehaus, das irgendwann auch Leder konnte. Hermès war zuerst Sattler – und genau deshalb passt ein Hermès-Sattel so gut in die Kategorie „richtig teuer“.
Schon Hermès-Gründer fertigte Sättel
Auch wenn das Pariser Luxus-Label mit Sitz in der noblen Rue du Faubourg de Saint-Honoré für Handtaschen oder sündhaft teure Seidenschals – den sogenannten Carré Hermès – bekannt und berühmt ist: Begonnen hat alles mit Zaumzeug. Als Thiery Hermès 1837 das inzwischen börsennotierte Familienunternehmen gründete, stellte der gelernte Sattler hochwertiges Pferdegeschirr für Frankreichs Society an. Die fuhr damals noch vorwiegend in Kutschen umher. 30 Jahre später kam der Sattel hinzu.
Zur Jahrhundertwende, als die Herrschaften mit der Eisenbahn und dem Auto unterwegs waren, setzte Hermès auf wertiges Reisegepäck aus Leder.
Der Lieferant des Zaren
Hermès brachte es im Lauf der Zeit sogar zum Hoflieferanten des russischen Zaren – und auch im 20. Jahrhundert blieb der europäische Hochadel Fan der Nobelmarke. Eine aristokratische Abstammung oder blaues Blut sind heute allerdings weiterhin kein Kriterium für den Kauf eines Sattels aus dem Hause Hermès. Dazu reicht, ganz unromantisch, ein ausreichend hoher Kontostand.
Die früher genannten Preise von 4.500 bis 5.800 Euro sind inzwischen überholt. Aktuell startet ein Hermès-Sattel bei 7.500 Euro, die teuerste offiziell gezeigte Variante liegt bei 8.500 Euro. Dafür bekommt man kein Teil von der Stange, sondern ein doppelt maßgefertigtes Objekt: abgestimmt auf Pferd und Reiter. Hermès beschreibt den Sattel als Ergebnis einer Dreierkonstellation aus Reiter, Sattelexperte und Kunsthandwerker. Gefertigt wird jeder Sattel von einem einzigen Sattlermeister in den Hermès-Ateliers in Paris und in der Normandie. Klingt sehr exklusiv. Ist es auch.
Individuell konfigurierte Sattel-Modelle
Der alte Online-Konfigurator ist heute nicht mehr der spannendste Teil der Geschichte. Hermès setzt beim Sattel inzwischen stärker auf Beratung, Expertise und Maßanfertigung. Wer so ein Stück will, landet nicht einfach bei „in den Warenkorb legen“, sondern bei einem Sattelexperten.
Aktuell nennt Hermès vier zentrale Modelle. Der Sattel Faubourg ist ein Springreitsattel mit tiefem Sitz und kostet 8.500 Euro. Entwickelt wurde er gemeinsam mit Jérôme Guéry und er wirkt wie das technische Statement im Sortiment. Schmaler Sattelbaum, integrierte Pauschen, kleine in große Sattelblätter integrierte Sattelblätter – das ist weniger Deko und mehr Performance-Luxus.
Der Sattel Cavale II ist ebenfalls ein Springreitsattel, allerdings mit halbtiefem Sitz. Er kostet 7.500 Euro und soll einen besonders engen Kontakt zwischen Reiter und Pferd ermöglichen. Ebenfalls bei 7.500 Euro liegt der Sattel Vivace, ein Springreitsattel mit flachem Sitz, der sich an Reiter richtet, die einen leichten Sprungsitz bevorzugen. Für die Dressur gibt es den Sattel Arpège. Er kostet 8.000 Euro, hat einen besonders tiefen Sitz und wurde gemeinsam mit Jessica von Bredow-Werndl entwickelt.
Damit ist der Hermès-Sattel heute weniger „Luxus-Spielerei“ und mehr High-End-Sportgerät mit Luxus-DNA. Natürlich bleibt trotzdem die Frage erlaubt, ob ein Sattel für 8.500 Euro nicht auch ein ziemlich elegantes Statement im Stall ist.
Ein Sattel macht noch keinen Reiter
Mit einem schicken und bequemen Sattel von Hermès ist es für Pferdefans unter Umständen nicht getan. Die gute Nachricht: Natürlich gibt es bei Hermès weiterhin das Rundum-Reitausstattungs-Paket für Ross und Reiter. Die weniger gute Nachricht: Auch der Rest ist preislich sehr Hermès.
Ein paar aktuelle Beispiele gefällig? Ein Sattelpad Equi’libre liegt bei 990 Euro, das Sattelpad Doudou bei 790 Euro und eine Vielseitigkeitsschabracke Jump II bei 540 Euro. Zügel kosten 950 Euro, eine Fliegenhaube 245 Euro, die Steigbügel Soft Up Pro Plus 630 Euro. Selbst die eher pragmatischen Dinge im Stall werden hier zur Luxusübung: Die Stalltasche Groom kostet 4.850 Euro, die Putztasche Groom 2.500 Euro, die Putztasche Maline 1.340 Euro und der Rucksack Groom 2.850 Euro.
Besonders hübsch im Sinne von „braucht man das oder will man es einfach?“ ist die Sattelbox Carrou’Selle für 4.650 Euro. Die Mini-Box Carrou’Selle liegt bei 4.150 Euro. Dazu gibt es etwa eine Leckerbissenbox für Pferde für 1.100 Euro, eine Zuckerdose für 400 Euro, eine weiche Bürste für 205 Euro oder einen Hufkratzer für 355 Euro. Spätestens beim Hufkratzer wird klar: Hermès schafft es, selbst Stallroutine nach Faubourg Saint-Honoré aussehen zu lassen.
Rechnen wir nur zum Spaß: Ein Sattel Faubourg für 8.500 Euro, dazu ein Sattelpad Equi’libre für 990 Euro, Zügel für 950 Euro, Steigbügel für 630 Euro, eine Fliegenhaube für 245 Euro, die Sattelbox Carrou’Selle für 4.650 Euro und die Stalltasche Groom für 4.850 Euro. Macht zusammen 20.815 Euro. Und da sitzt der Reiter noch nicht einmal vollständig angezogen im Sattel.
Richtig teure Reiter-Mode
À propos gut betucht: Auch der Reiter braucht selbstverständlich ein ebenso passendes, funktionales wie stylishes Outfit. Da hat Hermès natürlich einiges im Repertoire. Die Reitmode ist laut Marke auf Performance, Bewegungsfreiheit, Ergonomie und textile Innovation ausgelegt. Klingt sportlich – kostet aber weiterhin sehr luxuriös.
Die extraleichte Daunenjacke Piumino liegt aktuell bei 2.800 Euro, die wasserfeste Jacke Hardshell Jumping bei 2.550 Euro. Noch eine Spur teurer wird es mit der Daunenjacke Taïga für 3.550 Euro oder dem Reitparka Country für 3.000 Euro. Eine ärmellose Weste Trotting kostet 2.220 Euro. Für den etwas kleineren Hermès-Moment gibt es ein Hightech-Poloshirt Double Jeu für 420 Euro, ein T-Shirt Hermès Fit für 500 Euro, Leggings Hermès Fit für 810 Euro oder ein Sweatshirt Hermès Fit für 990 bis 1.100 Euro.
Auch bei den Reitaccessoires wird nicht gekleckert. Die Reitgerte Essentielle kostet 1.460 Euro, eine biegsame Reitgerte 520 Euro und eine Longierpeitsche 560 Euro. Alles in allem kann das passende Equipment von Hermès für das Ein-Pferdestärken-Vergnügen also weiterhin den Gegenwert eines Kleinwagens kosten. Nur parkt man ihn eben nicht in der Garage, sondern trägt ihn elegant über den Reitplatz.
Aktuell liegen die offiziell gezeigten Hermès-Sättel zwischen 7.500 und 8.500 Euro. Die Modelle Cavale II und Vivace kosten jeweils 7.500 Euro, der Dressursattel Arpège liegt bei 8.000 Euro und der Sattel Faubourg bei 8.500 Euro.
Der teuerste aktuell auf der deutschen Hermès-Seite genannte Sattel ist der Hermès Faubourg für 8.500 Euro. Es handelt sich um einen Springreitsattel mit tiefem Sitz, der gemeinsam mit Jérôme Guéry entwickelt wurde.
Ja, Hermès beschreibt seine Sättel als doppelt maßgefertigt. Das bedeutet: Der Sattel soll sowohl zum Pferd als auch zum Reiter passen. Die Fertigung erfolgt in Zusammenarbeit mit Sattelexperten und Kunsthandwerkern.
Hermès nennt für die Sattelherstellung die Ateliers in der Rue du Faubourg-Saint-Honoré in Paris sowie in der Normandie. Jeder Sattel wird von einem einzigen Sattlermeister gefertigt.
Ja, und zwar reichlich. Zum Sortiment gehören unter anderem Sattelpads, Zügel, Steigbügel, Fliegenhauben, Putztaschen, Stalltaschen, Sattelboxen, Bürsten, Hufkratzer und weitere Accessoires für Pferd und Stall.
Sehr teuer. Schon eine beispielhafte Kombination aus Sattel, Sattelpad, Zügeln, Steigbügeln, Fliegenhaube, Sattelbox und Stalltasche kann auf mehr als 20.000 Euro kommen. Reitkleidung für den Reiter ist dabei noch nicht eingerechnet.
Hermès begann 1837 als Sattler- und Zaumzeug-Werkstatt. Der Reitsport ist also kein später Marketing-Gag, sondern der Ursprung der Marke. Taschen, Reisegepäck, Seidenschals und Mode kamen erst später dazu.

















