36,7 Millionen Dollar für einen Schrank. Kein Gemälde, keine Skulptur, kein Diamant, sondern ein Möbelstück, das zum Aufbewahren von Dingen gebaut wurde. Wer verstehen will, wie weit der Luxusmarkt reicht, findet in den Auktionssälen von Christie’s und Sotheby’s die überraschendsten Rekorde: einen Stuhl für über 21 Millionen Euro, einen Klappstuhl aus der Ming-Zeit für fast 16 Millionen Dollar, einen Tisch aus Bronze und Glas, der das Vierfache seiner Schätzung erzielte.
Möbel erzielen deshalb so hohe Preise, weil sie drei Dinge vereinen, die der Markt liebt: Handwerkskunst, Geschichte und Seltenheit. Hier sind die teuersten Möbelstücke der Welt, mit den Geschichten, die ihre Preise erklären.
Platz 1: Das Badminton Cabinet — 19 Millionen Pfund (36,7 Mio. $)

Entstanden: 1726–1732 in Florenz Verkauft: 9. Dezember 2004, Christie’s London Preis: 19.045.250 £ inklusive Aufgeld (rund 36,7 Millionen Dollar)
Das Badminton Cabinet hält seit 2004 den Weltrekord für das teuerste Möbelstück, das je versteigert wurde. Der Schrank ist 3,86 Meter hoch, 2,32 Meter breit und wiegt über eine Tonne. Er steht auf acht Pilastern, besteht aus Ebenholz mit vergoldeter Bronze und ist mit Einlegearbeiten aus Lapislazuli, rotem und grünem sizilianischem Jaspis, Amethyst und Quarz verziert. Gekrönt wird er von Figuren, einer Uhr und einem Wappen.
Den Auftrag erteilte 1726 der damals erst 19-jährige Henry Somerset, dritter Herzog von Beaufort, auf einer Italienreise. Gebaut wurde das Möbelstück in den Pietra-dura-Werkstätten der Medici in Florenz, fertig war es 1732. Es stand über 250 Jahre auf dem englischen Landsitz Badminton House in Gloucestershire.
1990 verkaufte die Herzogsfamilie den Schrank bei Christie’s für 8,58 Millionen Pfund an Barbara Piasecka Johnson, schon das war ein Weltrekord für ein Möbelstück. 2004 kam er erneut unter den Hammer: Der Zuschlag lag bei 17 Millionen Pfund, mit Aufgeld bei 19,05 Millionen. Käufer war Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein. Heute steht das Cabinet im Liechtenstein Museum in Wien.
Platz 2: Der Drachensessel von Eileen Gray — 21,9 Millionen Euro
Entstanden: ca. 1917–1919 in Paris Verkauft: Februar 2009, Christie’s Paris (Sammlung Yves Saint Laurent und Pierre Bergé) Preis: 21.905.000 € (je nach Wechselkurs 28 bis 31 Millionen Dollar)
Der „Fauteuil aux Dragons“ ist der teuerste Stuhl der Welt und das teuerste Möbelstück des 20. Jahrhunderts. Die irische Designerin Eileen Gray schuf ihn aus lackiertem Holz und Leder, mit geschwungenen Armlehnen, die wie zwei sich windende Drachen geformt sind. Der erste Besitzer war ihr Förderer, der Pariser Couturier und Kunstsammler Jacques Doucet.
Später gelangte der Sessel in die Sammlung von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé, deren Auflösung 2009 als eine der bedeutendsten Auktionen der jüngeren Zeit gilt. Die Schätzung lag bei 2 bis 3 Millionen Euro. Am Ende war der Zuschlag rund siebenmal so hoch wie die obere Schätzung.
Die ganze Geschichte der Designerin, die lange von der Designwelt übersehen wurde, und des Sessels lesen Sie in unserem Artikel Eileen Gray und der Drachensessel.
Platz 3: Der Ming-Klappstuhl — knapp 16 Millionen Dollar
Entstanden: späte Ming-Dynastie (China) Verkauft: Oktober 2022, Sotheby’s Hongkong Preis: nahezu 16 Millionen US-Dollar
Laut Berichten lieferten sich die Bieter für diesen Klappstuhl aus Huanghuali-Holz ein Bietgefecht von rund 15 Minuten mit über 60 Geboten. Huanghuali, ein seltenes Edelholz, war in der Ming-Zeit dem Kaiserhof und der Gelehrtenschicht vorbehalten. Der Preis zeigt, wie stark die Nachfrage nach chinesischen Antiquitäten ist.
Platz 4: Ein amerikanischer Sekretär — rund 12 Millionen Dollar
Entstanden: 1760er-Jahre, Newport, Rhode Island (Goddard & Townsend) Verkauft: 1989, Christie’s New York
Der aufwendig gearbeitete Sekretär gilt bis heute als einer der teuersten Möbelstücke Amerikas. Die Newport-Tischler der Familien Goddard und Townsend zählen zu den berühmtesten Möbelbauern der Kolonialzeit, ihre Stücke sind extrem selten.
Platz 5: Der Elefantentisch von Lalanne — rund 6,6 Millionen Dollar
Verkauft: 2021 Material: Bronze und Glas
Der „Troupeau d’éléphants“ des französischen Künstlers François-Xavier Lalanne ist ein Beispiel dafür, wie fließend die Grenze zwischen Möbel und Skulptur ist. Der Tisch erzielte ein Mehrfaches seiner Schätzung.
Übersichtstabelle: Die teuersten Möbelstücke der Welt
| Platz | Möbelstück | Preis | Jahr | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Badminton Cabinet | 19,05 Mio. £ (ca. 36,7 Mio. $) | 2004 | Florentiner Pietra-dura-Schrank von 1732 |
| 2 | Drachensessel (Eileen Gray) | 21,9 Mio. € (ca. 28–31 Mio. $) | 2009 | Teuerster Stuhl, Rekord für das 20. Jahrhundert |
| 3 | Ming-Klappstuhl | knapp 16 Mio. $ | 2022 | Huanghuali-Holz, über 60 Gebote |
| 4 | Newport-Sekretär (Goddard & Townsend) | ca. 12 Mio. $ | 1989 | Rekord für amerikanisches Möbel |
| 5 | Troupeau d’éléphants (Lalanne) | ca. 6,6 Mio. $ | 2021 | Möbel als Skulptur |
Warum kosten Möbel Millionen?
Herkunft und Besitzer. Ein Möbelstück aus dem Besitz eines Herzogs, eines Fürstenhauses oder einer Modelegende wie Yves Saint Laurent ist mehr wert als ein baugleiches Stück ohne Geschichte. Die lückenlose Herkunft (Provenienz) bestimmt den Preis wesentlich mit.
Handwerk und Material. Beim Badminton Cabinet arbeiteten Steinschneider, Bronzegießer und Uhrmacher zusammen, über sechs Jahre lang. Solche Arbeiten lassen sich heute kaum noch bezahlen, geschweige denn nachbauen.
Seltenheit. Viele der Rekordstücke sind Unikate. Es gibt nur einen Drachensessel von Eileen Gray in dieser Form, nur ein Badminton Cabinet.
Der Auktionseffekt. Wenn zwei Sammler dasselbe Stück unbedingt wollen, löst sich jede Schätzung auf. Der Drachensessel wurde zum Siebenfachen seiner oberen Schätzung versteigert.
Design-Ikonen, die man kaufen kann
Nicht jedes berühmte Möbelstück kostet Millionen. Der Barcelona Chair von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich entstand 1929 für den deutschen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona. Heute wird er von Knoll hergestellt und kostet als Original mehrere tausend Euro, weil Material und Verarbeitung auf demselben Niveau geblieben sind wie damals.
Wer es kurioser mag, findet im Magazin noch mehr: das Luxussofa von Michael Jackson, ein Babybett aus Gold für 12 Millionen Euro und die handgefertigten Luxusbetten der britischen Manufaktur Savoir Beds.
FAQ: Die teuersten Möbelstücke der Welt
Das teuerste je versteigerte Möbelstück ist das Badminton Cabinet, ein florentinischer Prunkschrank aus dem 18. Jahrhundert. Bei Christie’s in London erzielte er im Dezember 2004 19,05 Millionen Pfund, umgerechnet rund 36,7 Millionen US-Dollar. Der Rekord ist bis heute ungebrochen.
Der teuerste Stuhl ist der Drachensessel (Fauteuil aux Dragons) von Eileen Gray. Er wurde im Februar 2009 bei Christie’s in Paris für 21,9 Millionen Euro versteigert, damals ein Rekord für ein Möbelstück des 20. Jahrhunderts.
Bei der Versteigerung 2009 kostete er 21.905.000 Euro, je nach Wechselkurs also rund 28 bis 31 Millionen Dollar. Die Schätzung vor der Auktion lag bei nur 2 bis 3 Millionen Euro.
Der Schrank ist 3,86 Meter hoch, mit Lapislazuli, Jaspis und Amethyst eingelegt und wurde in den Medici-Werkstätten in Florenz gefertigt. Dazu kommt seine Geschichte: Er gehörte über 250 Jahre den Herzögen von Beaufort und wurde zweimal als teuerstes Möbelstück der Welt versteigert, 1990 und 2004.
Das Badminton Cabinet steht im Liechtenstein Museum in Wien. Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein hatte es 2004 ersteigert und dort ausgestellt.
Ein Original-Barcelona-Chair von Knoll kostet je nach Ausführung mehrere tausend Euro. Nachbauten sind deutlich günstiger, unterscheiden sich aber in Material und Verarbeitung vom Original.
Mehr aus der Welt der teuersten Sammlerstücke
→ Das teuerste Fabergé-Ei der Welt: 26 Mio. € im Dezember 2025 Ein Ei für 26 Millionen Euro: Auch das teuerste Fabergé-Ei wechselte bei Christie’s den Besitzer.
→ Picassos „Garçon à la Pipe“: Von 104 Mio. Dollar zum Weltrekord-Kontext Das Gemälde, das 2004 alle Rekorde brach, und was die teuersten Bilder der Welt heute kosten.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026












