40 Millionen US-Dollar für ein fabrikneues Auto: Ein Ferrari Luce „Tailor Made“ aus dem Jahr 2026 hat bei der Monterey Auction von RM Sotheby’s einen neuen Weltrekord aufgestellt. Das als „Chassis 0“ bezeichnete Fahrzeug ist das erste Produktionschassis des Ferrari Luce und wurde für unglaubliche 40.000.000 US-Dollar verkauft.
Damit ist der vollelektrische Ferrari nach Angaben von RM Sotheby’s der teuerste Neuwagen, der jemals bei einer Auktion verkauft wurde. Sämtliche Erlöse aus der Versteigerung gehen an die Ferrari Foundation und sollen zukünftige Bildungsprojekte unterstützen.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur der Preis. Der Luce markiert einen historischen Einschnitt für Ferrari: Er ist das erste vollelektrische Serienfahrzeug der Marke. Und bei dem versteigerten Exemplar handelt es sich nicht einfach um irgendeinen Luce, sondern um den allerersten, kombiniert mit einer einmaligen Konfiguration aus Ferraris Tailor-Made-Programm.

40 Millionen Dollar für Chassis 0
RM Sotheby’s versteigerte den Ferrari Luce im August 2026 im Rahmen seiner Monterey Auction in Kalifornien. Am Ende stand ein Verkaufspreis von exakt 40 Millionen US-Dollar. Eine zusätzliche Käuferprämie kam bei diesem besonderen Lot nicht hinzu – RM Sotheby’s hatte die normalerweise anfallende Buyer’s Premium ausdrücklich erlassen.
Der Rekord ist allerdings genau zu definieren.
Der Ferrari Luce ist nicht das teuerste Auto, das jemals verkauft wurde. Dieser Titel liegt weiterhin in einer völlig anderen Preisklasse. Ein 1955er Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé wechselte 2022 für 135 Millionen Euro den Besitzer. Darüber haben wir auf RichtigTeuer bereits ausführlich berichtet.
Der Luce hält stattdessen einen anderen bemerkenswerten Rekord: Noch nie wurde ein neues Auto bei einer Auktion für einen höheren Preis verkauft.
Und selbst dieser Rekord hatte zuvor bereits Ferrari gehört.
Der vorherige Rekord lag „nur“ bei 26 Millionen Dollar
Erst ein Jahr zuvor hatte RM Sotheby’s einen Ferrari Daytona SP3 „Tailor Made“ für 26 Millionen Dollar versteigert. Auch dieses Fahrzeug wurde für einen guten Zweck angeboten und stellte 2025 den damaligen Weltrekord für einen Neuwagen bei einer Auktion auf.
Nur zwölf Monate später erhöhte Ferrari die Messlatte noch einmal deutlich.
Der Luce erzielte 14 Millionen Dollar mehr als der Daytona SP3.
Dass beide Rekordfahrzeuge aus Ferraris Tailor-Made-Programm stammen, ist ebenfalls kein Zufall. In diesem Bereich geht es längst nicht mehr darum, in einem Konfigurator eine besondere Lederfarbe oder andere Felgen auszuwählen. Ferrari entwickelt gemeinsam mit Kunden individuelle Materialien, Farbtöne und Details, sodass praktisch Einzelstücke innerhalb einer ohnehin exklusiven Modellreihe entstehen.
Genau dieses Thema haben wir bereits ausführlich in unserem Artikel über Hypercars nach Maß und die extremsten Formen der Fahrzeugpersonalisierung behandelt.
Beim 40-Millionen-Dollar-Luce wurde diese Idee auf die Spitze getrieben.
Was macht „Chassis 0“ so besonders?
Das versteigerte Fahrzeug trägt die Fahrgestellnummer ZFF21BUA8T0338000 und wird von Ferrari und RM Sotheby’s als „Chassis 0“ bezeichnet.
Es handelt sich um das erste Produktionschassis des Ferrari-Luce-Programms. Eine eigens angebrachte Plakette dokumentiert diese Sonderstellung.
Gerade bei Sammlerfahrzeugen kann eine solche Nummer enormen Einfluss auf die spätere Bedeutung eines Autos haben. Das erste produzierte Exemplar eines Modells besitzt eine Provenienz, die sich nicht reproduzieren lässt.
Beim Luce kommt hinzu, dass dieses Chassis den Beginn eines komplett neuen Kapitels in der Geschichte von Ferrari markiert.
Ferrari hatte den Namen Luce im Februar 2026 offiziell bekannt gegeben. Das Fahrzeug ist das erste vollelektrische Straßenmodell der Marke und öffnet Ferrari damit erstmals für einen Antrieb, der ohne Verbrennungsmotor auskommt.
Für eine Marke, deren Identität über Jahrzehnte untrennbar mit hochdrehenden V8- und V12-Motoren verbunden war, ist das ein außergewöhnlicher Schritt.
Ferraris erstes Elektroauto hat mehr als 1.000 PS
Elektrisch bedeutet beim Luce allerdings keineswegs zurückhaltend.
Das Fahrzeug verfügt über vier Elektromotoren, jeweils einen pro Rad. Zusammen liefern sie rund 772 kW beziehungsweise 1.050 PS und ermöglichen einen einzeln kontrollierbaren Allradantrieb. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h soll etwa 2,5 Sekunden dauern, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 310 km/h.
Auch die Batterie fällt entsprechend großzügig aus.
Ferrari setzt auf einen Akku mit 122 kWh Bruttokapazität und einer 800-Volt-Architektur. Die maximale Ladeleistung liegt bei rund 350 kW, während die angegebene Reichweite mehr als 530 Kilometer erreichen soll.
Ferrari hatte bereits während der technischen Entwicklungsphase erklärt, dass Batterie, elektrische Achsen und weitere zentrale Komponenten in Maranello entwickelt und produziert werden. Die Batterie erreicht laut Hersteller eine Energiedichte von fast 195 Wh/kg.
Es handelt sich also nicht einfach um einen zugekauften Elektroantrieb, den Ferrari in eine spektakuläre Karosserie gepackt hat. Das Unternehmen wollte offensichtlich eine eigene Interpretation eines elektrischen Ferrari entwickeln.
Vier Elektromotoren statt eines V12
Gerade deshalb dürfte der Luce unter Ferrari-Fans noch lange für Diskussionen sorgen.
Ein klassischer Ferrari erzeugt einen wesentlichen Teil seiner Faszination über seinen Motor. Ein V12 aus Maranello ist nicht einfach nur eine Antriebsquelle, sondern Teil des Erlebnisses. Klang, Drehzahl und mechanisches Gefühl gehören für viele Besitzer genauso zum Ferrari wie das Cavallino Rampante auf der Motorhaube.
Der Luce muss diese Emotion auf andere Weise erzeugen.
Ferrari verwendet deshalb beispielsweise die Schaltwippen hinter dem Lenkrad nicht einfach als dekoratives Relikt aus der Verbrennerwelt. Stattdessen lässt sich damit die Leistungs- und Drehmomentabgabe beeinflussen. Ferrari versucht so, dem Fahrer auch bei einem Elektroantrieb unterschiedliche Stufen von Reaktion und Intensität zu geben.
Ob ein mehr als 1.000 PS starker elektrischer Ferrari dieselben Emotionen hervorruft wie ein V12, wird jeder Ferrari-Fan für sich selbst entscheiden müssen.
Technisch fehlt es jedenfalls nicht an Leistung.
Jony Ive brachte Apple-Denken zu Ferrari
Ungewöhnlich ist auch die Entstehung des Designs.
Die Gestaltung des Luce entstand unter Beteiligung von LoveFrom, dem Designkollektiv von Sir Jony Ive und Marc Newson. Ive ist vor allem für seine langjährige Arbeit bei Apple bekannt und war maßgeblich an Produkten wie iMac, iPod, iPhone und iPad beteiligt.
RM Sotheby’s beschreibt den Luce als unter der Leitung von Sir Jony Ive gestaltet.
Das erklärt einige ungewöhnliche Details.
Im Innenraum setzt Ferrari stärker auf physische Bedienelemente, als man es von vielen modernen Elektroautos kennt. Statt nahezu jede Funktion in große Touchscreens zu verlagern, wollte man offensichtlich ein stärker haptisch geprägtes Fahrerlebnis schaffen.
Auch das klassische Dreispeichenlenkrad erinnert bewusst an historische Ferrari-Modelle.
Außen wirkt der Luce gleichzeitig ungewöhnlich reduziert. Klare Flächen treffen auf besondere C-Säulen, während hinten angeschlagene Fondtüren den Zugang zur zweiten Sitzreihe ermöglichen.
Damit ist der Luce in vieler Hinsicht kein typischer Ferrari – und soll vermutlich genau deshalb auffallen.
Ein Ferrari Tailor Made rund um das Thema Licht
Das versteigerte Exemplar unterscheidet sich zusätzlich von einem normalen Luce.
Ferrari entwickelte für Chassis 0 eine spezielle Madreperla Semi-Gloss-Lackierung, die es ausschließlich bei diesem Fahrzeug gibt.
Dabei handelt es sich nicht um einfaches Weiß.
Die Lackierung verwendet ein speziell entwickeltes Tailor-Made-Pigment. Abhängig vom Lichteinfall und Betrachtungswinkel entstehen irisierende Reflexionen, die sich laut RM Sotheby’s zwischen Grün- und Violetttönen verändern können. Das seidenmatte Finish soll gleichzeitig die Tiefe des Perlmutteffekts erhalten.
Der Name „Luce“, italienisch für Licht, wird damit zum Gestaltungsthema des gesamten Fahrzeugs.
Selbst das Leder soll Licht reflektieren
Im Innenraum setzt sich dieses Konzept fort.
Ferrari verwendet sogenanntes Le Mans Metallic-Leder in Perla, das eigens für das Tailor-Made-Programm entwickelt wurde. Grundlage sind ausgewählte Schweizer Lederhäute, deren Oberfläche Licht besonders stark reflektieren soll.
Auch bei den sekundären Interieurteilen ging Ferrari einen ungewöhnlichen Weg.
Statt des typischen Schwarz kommt Grigio Corvara zum Einsatz. Dadurch soll das helle Design praktisch ohne optischen Bruch durch den gesamten Innenraum laufen.
Hinzu kommen speziell für Chassis 0 entwickelte Felgen, individuell gestaltete Bremssättel und sogar Ferrari-Logos auf einem optisch weißen Hintergrund.
Das Ergebnis ist kein Ferrari, den ein anderer Kunde einfach genauso bestellen kann.
Von rund 1,1 auf 40 Millionen Dollar
Hier wird die Auktion endgültig außergewöhnlich.
RM Sotheby’s bezifferte den MSRP des Luce im Zusammenhang mit dem Rekordfahrzeug auf rund 1,1 Millionen US-Dollar. Der Auktionspreis entspricht damit mehr als dem 36-Fachen dieses Betrags.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Ferrari Luce plötzlich 40 Millionen Dollar wert ist.
Im Gegenteil.
Der Preis von Chassis 0 ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Kombination aus erster Fahrgestellnummer, Tailor-Made-Einzelstück, historischer Bedeutung als erster elektrischer Ferrari und einer Charity-Auktion.
Gerade der letzte Punkt darf bei der Einordnung nicht fehlen.
Ist der Ferrari Luce wirklich 40 Millionen Dollar wert?
Bei einer normalen Auktion versucht ein Käufer meist, den Marktwert eines Autos möglichst realistisch einzuschätzen.
Bei einer Charity-Auktion funktioniert diese Logik nur eingeschränkt.
Der Käufer weiß, dass das Geld einem wohltätigen Zweck zugutekommt. Gleichzeitig erhält er ein Fahrzeug, das auf normalem Weg nicht zu erwerben ist. In solchen Situationen können Preise entstehen, die mit dem späteren Marktwert eines vergleichbaren Autos nur wenig zu tun haben.
Ferrari spendet sämtliche Erlöse aus dem Luce-Verkauf an die Ferrari Foundation, eine gemeinnützige Organisation, die unter anderem Bildungsinitiativen und Community-Projekte unterstützt.
Die 40 Millionen Dollar sollten deshalb nicht als neue Preisreferenz für gebrauchte oder regulär konfigurierte Ferrari Luce verstanden werden.
Sie dokumentieren vielmehr, was ein Käufer bereit war, für dieses eine Auto in genau dieser außergewöhnlichen Auktion zu bezahlen.
Das macht den Rekord nicht weniger beeindruckend – aber deutlich verständlicher.
Monterey 2026 war ohnehin eine Auktion der Superlative
Chassis 0 war keineswegs das einzige extrem teure Auto des Wochenendes.
RM Sotheby’s erzielte bei der Monterey Auction 2026 insgesamt rund 380 Millionen Dollar Umsatz und damit das beste Ergebnis einer Monterey-Versteigerung des Unternehmens. 69 Fahrzeuge überschritten die Millionengrenze, 14 erzielten mehr als fünf Millionen und sechs Fahrzeuge mehr als zehn Millionen Dollar.
Ein McLaren F1 GTR wechselte für 34,655 Millionen Dollar den Besitzer und stellte dabei gleich zwei Rekorde auf: teuerster bei einer Auktion verkaufter McLaren F1 und teuerstes britisches Auto bei einer Auktion.
Ein Ferrari Daytona SP3 erzielte 17,825 Millionen Dollar, ein Ferrari F50 12,105 Millionen und ein Ferrari 288 GTO 11,555 Millionen Dollar.
Und nur einen Tag zuvor hatte bei Gooding Christie’s ein völlig anderes italienisches Auto für Schlagzeilen gesorgt: Ein Maserati Tipo 61 Birdcage von 1959 wurde für 4,24 Millionen Dollar versteigert und stellte ebenfalls einen Modellrekord auf.
Den kompletten Hintergrund zu diesem außergewöhnlichen Rennwagen findest du in unserem Artikel über den Maserati Tipo 61 Birdcage für 4,24 Millionen Dollar.
40 Millionen sind trotzdem weit vom teuersten Auto der Welt entfernt
So spektakulär der Preis des Luce ist, in der absoluten Spitze des Sammlerautomarkts liegen historische Fahrzeuge noch deutlich höher.
Das bekannteste Beispiel bleibt der Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé, für den 2022 insgesamt 135 Millionen Euro bezahlt wurden.
Auch Ferrari-Klassiker wie der 250 GTO erreichen regelmäßig achtstellige Summen.
Der Unterschied ist fundamental: Diese Fahrzeuge benötigen Jahrzehnte, um ihre historische Bedeutung, Seltenheit und Provenienz aufzubauen.
Der Luce wurde dagegen praktisch direkt vom Hersteller kommend für 40 Millionen Dollar verkauft.
Genau deshalb ist sein Rekord so ungewöhnlich.
Wer sich für die historische Seite solcher Preise interessiert, findet auf RichtigTeuer auch unsere Übersicht über die teuersten Oldtimer und ihre Auktionsgeschichte.
Der teuerste elektrische Ferrari – bevor die Geschichte überhaupt begonnen hat
Vielleicht ist genau das die faszinierendste Seite dieser Auktion.
Chassis 0 besitzt noch keine jahrzehntelange Rennhistorie. Kein Stirling Moss, Michael Schumacher oder Niki Lauda saß am Steuer. Es gibt keine Siege in Le Mans und keine Geschichten aus der Targa Florio.
Der Wagen war bei seiner Versteigerung praktisch neu.
Sein Wert entstand aus etwas anderem: Er steht am Anfang einer neuen Epoche.
Ob der Ferrari Luce eines Tages ähnlich bedeutend angesehen wird wie ein 250 GTO, F40 oder LaFerrari, kann heute niemand wissen. Aber Chassis 0 wird unabhängig davon immer der erste Produktions-Luce bleiben – und damit eng mit Ferraris Einstieg in die vollelektrische Ära verbunden sein.
Dass ein Sammler bereit war, dafür 40 Millionen Dollar zu bezahlen, macht dieses Kapitel der Ferrari-Geschichte schon vor der regulären Auslieferung außergewöhnlich teuer.
Und sorgt gleichzeitig für eine bemerkenswerte neue Definition des Begriffs Neuwagen.












