Ein Maserati Tipo 61 Birdcage aus dem Jahr 1959 hat bei den Pebble Beach Auctions 2026 von Gooding Christie’s einen Preis von 4,24 Millionen US-Dollar erzielt. Damit wurde nicht nur die ursprüngliche Schätzung von drei bis vier Millionen Dollar übertroffen, sondern gleichzeitig ein neuer Auktions-Weltrekord für einen Maserati Tipo 61 aufgestellt.
Bei dem versteigerten Rennwagen handelt es sich zudem um ein ganz besonderes Exemplar. Das Fahrzeug mit der Chassisnummer 2452 gilt als erster serienmäßig gebauter Tipo 61 Birdcage und besitzt eine umfangreiche amerikanische Rennsportgeschichte. Nur 17 Exemplare dieses außergewöhnlichen Maserati entstanden überhaupt.
Für Sammler historischer Rennwagen treffen beim Birdcage damit gleich mehrere Faktoren zusammen: extreme Seltenheit, ein revolutionäres technisches Konzept, Motorsportgeschichte und eine Herkunft aus einer der berühmtesten italienischen Sportwagenmarken.

4,24 Millionen Dollar für einen Maserati von 1959
Der Maserati wurde am 14. August 2026 bei den Pebble Beach Auctions in Kalifornien angeboten. Gooding Christie’s hatte den Wert vor der Auktion auf drei bis vier Millionen US-Dollar geschätzt.
Der endgültige Verkaufspreis von 4.240.000 Dollar lag damit oberhalb der Schätzung. Nach Angaben des Auktionshauses handelt es sich um den höchsten jemals bei einer Auktion erzielten Preis für einen Maserati Tipo 61.
Damit gehörte der Birdcage zugleich zu den teuersten Fahrzeugen der gesamten Auktion. Allerdings sollte man den Rekord richtig einordnen: Es handelt sich um einen Modellrekord für den Tipo 61, nicht um den höchsten jemals für ein Auto bezahlten Preis.
Historische Rennwagen können inzwischen noch ganz andere Dimensionen erreichen. Ein extremes Beispiel ist das 1955 gebaute Mercedes-Benz 300 SLR Coupé, das 2022 für 135 Millionen Euro verkauft wurde.
Der Maserati zeigt dennoch eindrucksvoll, welche Summen inzwischen auch für seltene Rennsportwagen der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre bezahlt werden.
Warum heißt der Maserati eigentlich „Birdcage“?
Der Name Birdcage – auf Deutsch etwa „Vogelkäfig“ – stammt nicht aus einer Marketingabteilung. Er beschreibt vielmehr eines der auffälligsten technischen Merkmale des Rennwagens.
Der italienische Ingenieur Giulio Alfieri entwickelte für Maserati einen außergewöhnlich filigranen Gitterrohrrahmen. Rund 200 dünne Stahlrohre mit lediglich etwa 10 bis 15 Millimetern Durchmesser wurden miteinander verschweißt.
Das Ergebnis sah tatsächlich ein wenig wie ein komplizierter Vogelkäfig aus.
Der technische Hintergrund war allerdings wesentlich wichtiger als der ungewöhnliche Anblick. Alfieri wollte möglichst wenig Gewicht mit einer hohen Torsionssteifigkeit kombinieren. Genau das ermöglichte die komplexe Rohrkonstruktion.
Für einen Rennwagen Ende der 1950er-Jahre war dieses Konzept außergewöhnlich fortschrittlich. Das Chassis war extrem leicht und ermöglichte Maserati gleichzeitig eine vergleichsweise stabile Basis für Fahrwerk, Motor und Karosserie.
Heute trägt gerade diese Konstruktion erheblich zur Faszination des Birdcage bei. Wenn du einen Tipo 61 ohne Karosserie siehst, wirkt das Chassis beinahe wie eine technische Skulptur.
Vom Tipo 60 zum stärkeren Tipo 61
Die Geschichte des Birdcage begann zunächst mit dem Maserati Tipo 60.
Das ab 1959 gebaute Fahrzeug verfügte über einen Zweiliter-Vierzylindermotor, der auf dem Aggregat des Maserati 200S basierte. Der Motor wurde vorne eingebaut und um 45 Grad geneigt. Dadurch konnten die Ingenieure sowohl den Schwerpunkt als auch die Höhe der Fahrzeugfront reduzieren.
Der Tipo 60 leistete rund 200 PS und wog lediglich ungefähr 570 Kilogramm.
Noch im selben Jahr entwickelte Maserati daraus den leistungsstärkeren Tipo 61.
Der Hubraum stieg auf 2.890 Kubikzentimeter, während die Leistung des Vierzylinders auf rund 250 PS bei 6.800 Umdrehungen pro Minute anwuchs. Trotz des größeren Motors blieb der Tipo 61 mit etwa 600 Kilogramm extrem leicht.
Zum Vergleich: Viele heutige Sportwagen bringen mehr als das Doppelte auf die Waage.
Das Leistungsgewicht des Birdcage war entsprechend beeindruckend.
285 km/h im Jahr 1959
Noch erstaunlicher wird die Technik, wenn du dir das Baujahr vor Augen hältst.
Der Maserati Tipo 61 erreichte laut Hersteller eine Höchstgeschwindigkeit von rund 285 km/h.
Und das im Jahr 1959.
Der Rennwagen verfügte über einen 2,9-Liter-Vierzylinder, ein Fünfganggetriebe und Scheibenbremsen an allen vier Rädern. Vorne arbeitete eine Einzelradaufhängung mit Schraubenfedern, hinten kam eine De-Dion-Konstruktion zum Einsatz.
Der Birdcage war damit nicht einfach nur ein leichter Rennwagen mit einem starken Motor. Das gesamte Fahrzeug war kompromisslos für den Motorsport entwickelt worden.
Dabei spielte auch der vergleichsweise geringe Kraftstoffverbrauch eine Rolle. Weniger Verbrauch bedeutete bei Langstreckenrennen weniger Tankstopps – und damit einen handfesten Wettbewerbsvorteil.
Nur 17 Maserati Tipo 61 wurden gebaut
Ein weiterer Grund für die heutigen Millionenpreise ist die extreme Seltenheit.
Von dem Maserati Tipo 61 entstanden lediglich 17 Exemplare.
Bei historischen Rennwagen ist die reine Stückzahl allerdings nur ein Teil der Geschichte. Entscheidend ist auch, welche Historie ein bestimmtes Chassis besitzt.
Und genau hier wird der 2026 versteigerte Wagen besonders interessant.
Chassis 2452: der erste Serien-Tipo-61
Der bei Gooding Christie’s versteigerte Wagen trägt die Chassisnummer 2452.
Er gilt als erster serienmäßig gebauter Maserati Tipo 61 Birdcage. Das Auto wurde 1959 für den amerikanischen Motorsport-Enthusiasten Joe Lubin gebaut und entwickelte sich anschließend zu einem erfolgreichen Rennwagen an der amerikanischen Westküste.
Zu den Fahrern, die den Wagen im Laufe seiner aktiven Motorsportzeit bewegten, gehörten unter anderem Bob Drake, Jim Connor, Jim Hall, Bill Krause und Ken Miles. Das Fahrzeug wurde von 1959 bis 1963 bei verschiedenen Veranstaltungen eingesetzt.
Gerade der Name Ken Miles dürfte vielen Motorsportfans bekannt sein. Der britische Rennfahrer spielte später eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung und den Renneinsätzen des Ford GT40.
Doch auch die anderen Fahrer gehörten zur amerikanischen Rennsportszene dieser Zeit.
Chassis 2452 entwickelte sich dadurch zu einem Rennwagen mit umfangreicher zeitgenössischer Wettbewerbshistorie – ein Faktor, der bei hochwertigen Sammlerfahrzeugen erheblichen Einfluss auf den Wert haben kann.
Ein Rennwagen mit prominenten Vorbesitzern
Auch nach dem Ende seiner aktiven Rennsportkarriere blieb der Maserati nicht einfach irgendwo in einer Garage stehen.
Zu den späteren Besitzern gehörte unter anderem Steve Earle, Gründer der Monterey Historic Automobile Races. Später befand sich der Wagen über Jahrzehnte in einer bedeutenden privaten Sammlung.
Das Fahrzeug besitzt weiterhin sein ursprüngliches Chassis und seine ursprüngliche Allegretti-Karosserie. Der im Laufe der historischen Rennkarriere eingesetzte Tipo-61-Motorblock gehört ebenfalls zum Fahrzeug.
Bei millionenschweren historischen Rennwagen sind solche Details wichtig. Nicht nur das Modell entscheidet über den Preis, sondern auch Provenienz, Originalsubstanz, dokumentierte Renneinsätze und frühere Besitzer.
Zwei äußerlich fast identische Oldtimer können deshalb bei einer Auktion völlig unterschiedliche Preise erzielen.
Zwei Siege bei den 1000 Kilometern auf dem Nürburgring
Der Wert des Birdcage basiert allerdings nicht nur auf seiner Seltenheit. Auch die Rennsportgeschichte des Modells ist außergewöhnlich.
Der Tipo 61 gewann die 1000 Kilometer auf dem Nürburgring zweimal hintereinander.
1960 siegten Stirling Moss und Dan Gurney, ein Jahr später gewannen Masten Gregory und Lloyd Casner für das amerikanische Camoradi-Team.
Der Nürburgring gehörte damals zu den anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt. Ein Gesamtsieg bei einem Langstreckenrennen dieser Größenordnung verschaffte einem Fahrzeug entsprechend viel Prestige.
Zwei aufeinanderfolgende Siege machten den Birdcage endgültig zu einem der bekanntesten Maserati-Rennwagen seiner Generation.
Dabei war das Konzept bemerkenswert: vorne eingebauter Vierzylinder, Hinterradantrieb und ein extrem leichter Rohrrahmen – zu einer Zeit, in der sich der internationale Motorsport bereits zunehmend in Richtung Mittelmotor entwickelte.
Der Tipo 61 gehört damit zu den Höhepunkten der klassischen Frontmotor-Sportwagenära.
Warum Sammler Millionen für solche Rennwagen bezahlen
4,24 Millionen Dollar für ein mehr als 65 Jahre altes Auto wirken zunächst enorm. Bei Fahrzeugen wie dem Birdcage richtet sich der Preis allerdings kaum nach klassischen Kriterien wie Komfort, Alltagstauglichkeit oder Motorleistung.
Entscheidend ist die Kombination.
Ein Tipo 61 besitzt Motorsportgeschichte. Er wurde nur 17-mal gebaut. Er verwendet eine technische Konstruktion, die ihn selbst unter Rennwagen seiner Epoche unverwechselbar macht. Hinzu kommen berühmte Fahrer, dokumentierte Wettbewerbseinsätze und die Marke Maserati.
Beim versteigerten Chassis 2452 kommt noch hinzu, dass es sich um den ersten Serien-Tipo-61 handelt.
Genau diese Faktoren machen historische Rennwagen zunehmend zu Sammlerobjekten, die irgendwo zwischen Automobil, Kulturgut und technischer Kunst liegen.
Dabei geht es oftmals auch gar nicht darum, das Fahrzeug einfach nur in einer privaten Sammlung abzustellen. Veranstaltungen wie Goodwood Revival, Le Mans Classic oder historische Rennveranstaltungen in Monterey bieten Besitzern die Möglichkeit, solche Autos weiterhin zu präsentieren oder sogar im Wettbewerb zu bewegen.
Maserati feiert 2026 gleichzeitig 100 Jahre Motorsport
Der Zeitpunkt des Rekordverkaufs hätte für Maserati kaum passender sein können.
2026 feiert die italienische Marke 100 Jahre Trident und 100 Jahre Motorsportgeschichte.
Am 25. April 1926 startete Alfieri Maserati mit dem Tipo 26 bei der Targa Florio. Es war das erste Fahrzeug, das den heute weltberühmten Dreizack auf der Motorhaube trug. Alfieri Maserati gewann dabei die Klasse bis 1.500 Kubikzentimeter und belegte den achten Platz im Gesamtklassement.
Damit begann eine Motorsportgeschichte, die später zahlreiche Grand-Prix-, Sportwagen- und Langstreckenfahrzeuge hervorbrachte.
Der Tipo 61 Birdcage entstand mehr als drei Jahrzehnte später, verkörperte aber dieselbe Idee: mit ungewöhnlichen technischen Lösungen einen Vorteil auf der Rennstrecke zu erreichen.
Der Birdcage ist heute mehr als nur ein alter Rennwagen
Ein Maserati Tipo 61 dürfte selbst bei großen Oldtimerveranstaltungen zu den Fahrzeugen gehören, die du nicht jeden Tag zu Gesicht bekommst.
Nur 17 Exemplare, ein kaum zu verwechselnder Gitterrohrrahmen, 250 PS bei ungefähr 600 Kilogramm und bis zu 285 km/h Höchstgeschwindigkeit machten den Rennwagen bereits 1959 außergewöhnlich.
Mehr als sechs Jahrzehnte später ist aus dem kompromisslosen Wettbewerbsfahrzeug zusätzlich ein millionenschweres Sammlerstück geworden.
Der Verkauf von Chassis 2452 für 4,24 Millionen Dollar zeigt, wie begehrt bedeutende historische Rennwagen inzwischen sind. Gleichzeitig bleibt der Preis zumindest im Verhältnis zu einigen anderen automobilen Ikonen beinahe zurückhaltend.
Für einen Maserati Tipo 61 war er trotzdem einmalig: Noch nie zuvor wurde bei einer Auktion mehr für dieses Modell bezahlt.












